Chorfahrt des Alsterbund-Oratorienchors nach Regensburg Ein Nachbericht von Hanna Conradi

Am 17. Juli trafen sich Mitglieder des Oratorienchors kurz vor 10 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof. Fast pünktlich ging es dann mit dem ICE nach Bayern. Nach viereinhalbstündiger Fahrt begann auch gleich in Nürnberg das erste kleine Reise-Abenteuer: Schienenersatzverkehr.  Aber wir hatten ja vorher gut mit dem Knüpfen von Freundschaftsbändern, der eigenen Lektüre oder einem Vormittagsschläfchen entspannt: Der 1. Bus nach Regensburg musste (nach einer spannenden Wartezeit) wegen Überfüllung einen Teil der Chorgemeinschaft wieder auf die Straße schicken. Erneutes Warten. Doch dann geht es für alle hintereinander im flotten Tempo über die Autobahn Richtung Süden. Kaum auf dem Sitz angeschnallt, hatten wir schon Mau-Mau-Karten in den Händen: Spielfreude trat ein!

Die Katholische Akademie Regensburg war dann die kommenden zwei Tage eine wunderbare Unterkunft mit bestem Frühstück und liebenswerten Menschen…. und sogar Fledermäusen, die im Innenhof einen guten Abend wünschten. Auf gelbgrünen Liegestühlen durften wir des nachts in den Sternenhimmel schauen und bei gekühltem Getränk das Leben besprechen…  und das mitten im Regensburger Geschehen am Donaulauf mit seinen steinernen Brücken. 

Mit Bernd-Daniel Paulus startete der Sonnabend. Sehr engagiert und freundlich gab er den Stadtführer, gebürtiger Regensburger, der uns fast 2 Stunden durch die Gassen des UNESCO-Kulturerbes von einer zur anderen Historie führte.  Um 15 Uhr dann Probe in der Dreieinigkeitskirche, sitzen im Chorgestühl, prunkvolle Decken mit Gurtbögen: SANCTAE TRINITATI SACRUM, Päuschen in der schönsten Sakristei und "lasst uns eben den Turm besteigen“…  alles war möglich.

Bis sich dann plötzlich die Kirche füllte und unser Konzert begann: "Lieder die im Freien zu singen“ von Mendelssohn-Bartholdy. Goethe, Heine und Eichendorff lassen grüßen…eine wunderbare Vertonung von Gedichten über Wälder und Gärten, Sonne und Nacht, Liebe und Sehnsucht. Ein fein nuancierter Dialog zwischen Wort und Musik. Mittendrin und voll dabei: WIR. Aber auch die imposante neue Bach-Orgel erklang. Der Kirchenmusikdirektor Roman Emilius bedankte sich mit wunderbaren Orgelklängen: es gab Mendelssohns gespenstisch schmerzvolle Präludium und Fuge in c-Moll und die 6 Kinderstücken op. 72 (für die Orgel von ihm bearbeitet). Sogar einer der beiden Zimbelsterne war zwar nicht zu sehen, aber gut zu hören. Lächeln auf allen Gesichtern. Wie in Regensburg üblich ging es im Anschluss ins Brauhaus am Schloss. Bei einer Maß (mancher schaffte auch 2) musste ja nun alles noch einmal nachbesprochen werden. Und die Teller waren reich gefüllt mit leckeren bayrischen Spezialitäten…. Die Gemeinschaft war spürbar, hatten wir doch fleißig geübt. Wir sind dankbar und sehr stolz, dass wir dieses A-Cappella Konzert musikalisch gestalten konnten. Und dann noch die Nacht ausklingen lassen und Richtung Brücke in kleiner Schlender-Runde. Der Starter sind zwei Eiskugeln: Sauerampfer und Saure Gurke sind beliebt, natürlich von Weichmanns Eis direkt an der Dreieinigkeitskirche.

Und jetzt mal ehrlich, Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal auf einer steinernen Brücke über die Donau, in einer wunderbar lauen Julinacht ein vertontes Eichendorffgedicht nach den Melodien von Mendelssohn gesungen? Eine Idee in der Schlendergruppe, und schon waren die Noten zur Hand, der Kantor stimmt mal eben an und es erklingt vierstimmig: O Täler weit, o Höhen…

Ist doch die Dreieinigkeitskirche, eine in nur 4 Jahren erbaute (1627-1631) frühbarocke, säulenlose Saalkirche, schon ein architektonischer Traum, so staunten wir am Sonntag früh nicht schlecht: St. Wolfgang, ein expressionistischer Kirchenbau von 1939, katholische Kirche vom Feinsten! Hier stimmte auch wieder alles…. obwohl manche beim Weihrauchfähnchen hüsteln mussten. Sehr herzlich wurden wir auch hier vom Diensthabenden Pfarrer begrüßt und gewürdigt…. Die frische Brise von der Nordsee im Hause. Wir sangen dann gleich mal aus der Deutschen Messe von Franz Schubert: Gloria, Sanctus und Agnus Dei…. und natürlich auch nochmal etwas Mendelssohn. Sicher sprach uns dieser musikalische Abschluss allen aus den Herzen!

Die innere Kraft war da, nun in drei Zügen im Wechsel den Rückweg anzutreten. Diesmal ging’s über Ingolstadt und Berlin. Wir kamen wohlbehalten und pünktlich wieder in Hamburg Hauptbahnhof an. In den Zügen wurde diesmal Doppelkopf, 80er-Jahre-Quiz gespielt oder auch Freundschaftsbänder verteilt. Unsere Herzen sind erfüllt, von der Gemeinschaft, der Musik und auch der Stadt Regensburg. Was für eine schöne Reise des Alsterbund-Oratorienchors!